Mitgliederversammlung: Der Gesellschaft dienen

«Wir wollen Menschen befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten», so begrüsste Präsidentin Christine Grogg die rund 35 Anwesenden an der Mitgliederversammlung des Blauen Kreuzes Bern-Solothurn-Freiburg. Man traf sich «zuhause», an der Bernstrasse 14 in Steffisburg/Thun in den Räumen zwischen dem Bistro kostbar und der Blaukreuz-Brocki.

Der Vortrag von Martin Bienlein, der die Haltung des Blaue Kreuzes im Bundeshaus vertritt, was sehr interessant.

Christine Grogg, Präsidentin des Vereins Blaues Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg.

Das Blaue Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg ist stabil unterwegs und hat breiten Support. So wurden auch an dieser Mitgliederversammlung die statutarischen Geschäfte alle gut geheissen.

Ein wichtiges neues Projekt wurde von Bereichsleiter Mike Sigrist vorgestellt: Die Anlaufstelle FASD. «Bei jährlich 1700-4000 Menschen in der Schweiz hat man einen Verdacht oder weiss, dass deren Mütter Alkohol konsumiert haben, als diese noch im Bauch waren. Dieses Fötale Alkoholsyndrom ist mittlerweile gut erforscht. Die Folgen sind teils schwerwiegend. FASD ist nicht heilbar und bleibt ein Leben lang bestehen. Für Betroffene gibt es in der Schweiz, in Form einer regionalen Anlaufstelle... : Nichts!»

Bis jetzt.

Denn im Mai 2026 wird die Beratungsstelle des Blauen Kreuzes in Biel mit einem weiteren Angebot ergänzt.

An der Bahnhofstrasse 7 in Biel finden Hilfesuchende die erste regionale Anlaufstelle FASD. Deutschsprachig et en français.

Die anwesenden Mitglieder erfuhren auch Neues über die Liegenschaften des Vereins. In Arbeit ist ein Gesamtkonzept, das vom Vorstand aktuell neu durchdacht wird, damit die Gebäude ihren Zweck noch gezielter erfüllen können. Das grösste Projekt in diesem Bereich ist eine geplante Überbauung in einem zentral gelegenen Perimeter in Thun, das durch ein Legat angestossen wurde und wo das Blaue Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg einer der Träger ist. Das Projekt entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Thun und weiteren Anspruchsgruppen. Der Arbeitstitel Social Hub deutet darauf hin, dass es nicht um maximierte Immobiliengewinne, sondern um ganzheitliche Angebote geht, nahe bei den Menschen: Beratung, auch medizinische Dienstleistungen, Wohnen, Unterstützung für den urbenen Alltag und das ganze Quartier. «Es soll ein Leuchtturmprojekt werden. Baubeginn ist voraussichtlich 2030», so informierte Matthias Zeller, Geschäftsführer des Blauen Kreuzes Bern-Solothurn-Freiburg.

Die Angebotspalette unserer Organisation ist breit. Die Angebote waren geografisch schon immer dort, wo sie die Menschen in ihren Herausforderungen am besten unterstützen. Ein Beispiel, das im letzten Geschäftsjahr neu eröffnet werden konnte, ist das Bistro kostbar. «Es lief sehr gut an und ist ein Treffpunkt geworden für Junge und Alte, für einsame Menschen und jugendliche Cliquen, für spontane Brockifans und Freunde von kleinen und feinen Kulturanlässen», so blickt Christine Grogg erfreut zurück.

Ruedi Löffel, bis Ende 2025 Bereichsleiter Prävention und Gesundheitsförderung, stellte das 150-Jahre-Jubiläum vor, das im 2027 schweizweit gefeiert wird. Das Blaue Kreuz wurde in Genf und Bern gegründet. Das Blaue Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg wird im Jubiläumsjahr die nationalen Feiern unterstützen und gleichzeitig Berner Akzente setzen.

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Fachwissen für Politiker

Der letze Programmpunkt des Abends gehörte Martin Bienlein. Er vertritt die «Public Affairs» des Blauen Kreuzes auf Schweizerischer Ebene und gab einen interessanten Einblick in seine Arbeit im Bundeshaus. Dort knüpft er in stetiger und fachlich fundierter Arbeit Kontakte, ist bei offenen Fragen zu Suchtthemen rasch zur Stelle und prägt die Gesundheitspolitik im Sinne des Blauen Kreuzes.

Seine Informationen und Positionen stehen denen der Brauerei- und Winzerverbände oder den Tabakmultis natürlich entgegen. «Aber wir werden gehört. Manchmal auch gerade deshalb, weil wir die einzigen aller Interessensvertreter sind, die eine abweichende Position vertreten.»

«Bis zur Verabschiedung und finalen Umsetzung einer solchen Gesetzesvorlage kann es Jahre, sogar Jahrzehnte lang dauern. Es wird immer wieder geschliffen. Für uns heisst es, zur richtigen Zeit bei den richtigen Personen mit den richtigen Inhalten bereit zu stehen», so Martin Bienlein.

Er hatte ein konkretes Beispiel parat. Derzeit wird in Bundesbern die Handhabung von Cannabis. Es ist klar: Wer Menschen von Sucht fernhalten will, ist gegen die Liberalisierung von Cannabis. Diese Haltung steht aber in der Schweiz momentan auf einsamem Posten – die Liberalisierer sind zu stark. Es bleibt dem Blauen Kreuz derzeit noch das Thema Schutzalter.

Und hier kommt Wissen und Verständnis von Ursache-Wirkung ins Spiel (bei Politikern hilfreich) – und von Seiten Martin Bienlein das richtige Gspüri, wie er im Bundeshaus vorgehen soll. Die Pressemitteilung aus der Feder von Martin Bienlein zur Haltung des Blauen Kreuzes zu Cannabis-Liberalisierung ist ein wichtiger Teil der Öffentlichkeitsarbeit.
Martin Bienlein erklärte das Thema so: «Cannabis verhindert den Umbau des Gehirns bei jungen Menschen», erklärte Martin Bienlein. Dieser Umbau, also das sich-fertig-Entwickeln des Hirns noch im Wachstum des jungen Erwachsenen, sollte auf keinen Fall durcheinandergebracht werden.»
Dass Cannabis im Gehirn aber ein Chaos anrichtet und eine normale Entwicklung verunmöglicht – das ist medizinisch unbestritten.
«Im Extremfall agieren 40-jährige, die jung schon Cannabis konsumiert haben, wie 15-jährige», so Martin Bienlein. Das Blaue Kreuz habe die grundsätzliche Cannabis-Legalisierung in der Schweiz leider nicht verhindern können. Aber man versuche nun wenigstens, ein Schutzalter zu erkämpfen, das auch wirklich Schutz bedeute.

Die Ausführungen von Martin Bienlein waren ein seltener Einblick in einen Arbeitsbereich, den das Blaue Kreuz Schweiz verantwortet und von dem man nur indirekt manchmal etwas spürt. Auch aus unserer Mitgliederorganisation (Bern-Solothurn-Freiburg) sind Vertreter in der entsprechenden internen Arbeitsgruppe, die von Martin Bienlein geleitet wird.

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