Angehörige von suchtbelasteten Menschen erhalten neue Beratungsmöglichkeit

Die Sucht eines nahestanden Menschen ist eine grosse Herausforderung. Nicht nur Suchtbetroffene belastet die Situation, sondern auch das Umfeld und die nahestehenden Personen leiden mit. Eine Studie aus Deutschland zeigt, dass über 75 % der Angehörigen sich hilflos und einsam fühlen. Weiter leiden über 70 % der Angehörigen in Folge der Erkrankung des Betroffenen an eigenen gesundheitlichen Problemen. Beim Blauen Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg sind rund 40 % der Ratsuchenden Angehörige. Diese wollen wir mit dem neu initiierten Blended-Angebot unterstützen.

Betroffene einer Suchtproblematik befinden sich meist eingebunden in einem Umfeld von sich kümmernden Menschen. Was eine Person tut, beeinflusst ihr Umfeld, ihre Familie und ihre Nächsten. Es wird geschätzt, dass in der Schweiz mehrere hunderttausend Personen mit einer von Sucht betroffenen Person im gleichen Haushalt leben. Diese Mitbetroffenen erhalten jedoch wenig Unterstützung. Dabei können Angehörige genauso unter dem Suchtverhalten einer nahestehenden Person leiden und körperliche sowie psychische Symptome entwickeln. Gemäss einer Studie aus Deutschland fühlen sich rund 84 % der Angehörigen aufgrund von Sorgen und Unsicherheiten überfordert und sie wissen nicht, wie sie mit den Symptomen der Suchtkrankheit umgehen sollen. Rund 78 % der Angehörigen fühlen sich hilflos, einsam und alleinverantwortlich sowie nicht ernst genommen in ihrem Leiden und ihren Sorgen. Über die Hälfte der Partner/innen und Eltern sind aufgrund der Sucht des Betroffenen finanziell belastet und Sorgen sich um die Zukunft. Weitere Folgen für Angehörige sind Scham- und Schuldgefühle sowie Angst vor oder erlebte Stigmatisierung aufgrund der Problematik der nahestehenden Person.

Austauschtreffen nun auch digital
Seit Juli 2022 bietet das Blaue Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg ein Austauschtreffen für Angehörige an. Das Angebot wird jeweils einmal pro Monat angeboten, abwechselnd einmal live vor Ort und einmal online (Blended). Mit dem Angebot wird ermöglicht, dass Personen aus dem Umfeld von suchtbelasteten Personen aus der eigenen Hilflosigkeit und Einsamkeit heraustreten können und in einem geschützten Rahmen mit anderen Mitbetroffenen über Tabuthemen sowie schwierige Situationen offen sprechen können und Solidarität spüren. «Es ist schön zu merken, dass man nicht allein ist mit dieser Situation. Wir können uns gegenseitig Mut zusprechen und es gibt Raum und Zeit über schwierige Situationen und herausfordernde Emotionen zu sprechen», so eine Teilnehmende des Austauschtreffen für Angehörige von suchtbelasteten Menschen Weitere Informationen sind hier abrufbar.

Bei Interesse am Austauschtreffen für Angehörige kann die Fachstelle in Bern kontaktiert werden:
Blaues Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg
Fachstelle für Alkohol- und Suchtprobleme
Zeughausgasse 39, 3011 Bern
Tel. 031 311 11 56
fs.bern(at)blaueskreuzbern(dot)ch

Für Rückfragen
Corine Gasser
Suchtberaterin/Dipl. Sozialarbeiterin FH
Blaues Kreuz Fachstelle Bern
c.gasser(at)blaueskreuzbern(dot)ch
Tel. 031 311 11 56

Allgemeiner Kontakt

Blaues Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg

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