Dry January – Unterstützung und Ansporn

Frau L. hat Probleme damit, Stress abzubauen und trinkt regelmässig eine Flasche Wein und mehr, um am Abend abschalten zu können. Die verfahrene Situation mit dem Ex-Freund, welcher gleich-zeitig der Vater von zwei ihrer drei Kindern ist, verstärken die ungünstige Situation. «Alkohol zum Abschalten sei in schwierigen Lebenssituationen immer ein Thema gewesen», meint Frau L. Aber eskaliert ist die Situation vor etwa einem Jahr.

Der Ex-Mann machte Druck und erwähnte das Alkoholproblem seiner Ex gegenüber der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB. Die KESB verfügte daraufhin zum Wohle der Kinder und zur Unterstützung von Frau L. eine Familienbegleitung durch eine Fachperson. Weiter musste sich Frau L. medizinisch auf erhöhten Alkoholkonsum abklären lassen.

Der Test zeigte denn auch eine deutlich erhöhte Alkoholbelastung. Konfrontiert mit der nackten Wahrheit, vereinbarte Frau L. auf Anraten ihrer Psychologin ein Beratungsgespräch beim Blauen Kreuz. Einen stationären Entzug wollte sie nicht machen. Zu gross war die Angst, dass ihr Ex-Mann während dieser Zeit ungünstigen Einfluss auf die beiden 13 und 15-Jahre alten Kinder ausüben könnte. Und Frau L. hatte auch Mühe mit der Vorstellung, dass Ihre Situation derart verfahren sei, dass für sie nur noch ein Entzug in der Klinik infrage käme. «Ich fühlte mich nicht krank genug. Ich habe ja in erster Linie mich selbst in Gefahr gebracht und ich hatte Angst vor den langfristigen Folgen. Die körperlichen Entzugserscheinungen waren bei der schrittweisen Reduktion der Konsummenge nur kurz ein Problem. Schwieriger war der Kopf, welcher mitspielen muss», meint Frau L. Sie musste ihre Gewohnheiten verändern und lernen, alte Muster beim Konsum von Alkohol zu durchbrechen.

Ideal war als Begleitung während dieser Zeit die Dry-January-Aktion. «Ich hatte grosse Bedenken, ob ich einen ganzen Monat lang auf Alkohol verzichten könne. Gleichzeitig fühlte ich mich motiviert und von den vielen Mitstreitern und deren Berichten und Ermutigungen herausgefordert und getragen.» Hilfreich war auch, dass ihr jetziger Ehemann sich sofort bereit erklärt hat, ebenfalls am Dry January mitzumachen. Die geschlossenen Restaurants aufgrund der Corona-Situation waren letztlich ein Vorteil. Die Versuchung, sich nach der Arbeit mit Freundinnen zu treffen und zusammen bei einem Glas Wein herunterzufahren, fiel so weg. Auch musste sie sich niemandem gegenüber rechtfertigen, dass sie keinen Alkohol trank. Sie stand so unter keinem Erfolgsdruck. Lediglich zwei gute Freundinnen hatte sie neben der Familie in Ihr Vorhaben, einen ambulanten Entzug zu wagen, eingeweiht.

«Die Dry January App war super. Man macht jeden Tag Einträge und wird virtuell mit Trophäen für das Durchhalten belohnt. Die App ist quasi ein persönlicher Coach, wirkt unterstützend und liefert viele Hintergrundinformationen zum Thema Alkohol und den Auswirkungen auf die Gesundheit. Schade nur, dass es erst wenige Einträge auf Deutsch gibt.» Ob Sie denn durchgehalten habe? Ja, das habe sie. Sie habe neue Entspannungsmöglichkeiten für sich gefunden. Ihr Schlaf habe sich verbessert nachdem die Leber nicht mehr jede Nacht Höchstarbeit leisten müsse und letztlich merke sie den Unterschied auch im Portemonnaie. Mit dem eingesparten Geld wolle sie sich etwas Besonderes leisten, sich selbst belohnen. Und sie wolle auch der KESB anhand eines nächsten Tests beweisen, dass sie den Alkoholkonsum im Griff habe und die verordneten Massnahmen damit hinfällig werden.

Cornelia Stettler, Leiterin Kommunikation Fundraising

 

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