Die soziale Arbeit im Suchtbereich kann, was andere Berufsbilder nicht können

Kaum eine andere chronische Krankheit weist neben medizinischen und psychischen Problemen so viele negative soziale Folgen auf wie der Missbrauch und die Abhängigkeit von Substanzen. Dabei können soziale Probleme sowohl Mitursache als auch Folgen einer Suchterkrankung sein. So ist die Soziale Arbeit seit jeher in der Suchthilfe ein wichtiger Bestandteil in der Behandlungskette. Seit einigen Jahren hat sich in der Fachwelt das «bio-psycho-soziale Modell» in der Betrachtung von Gesundheit und Krankheit durchgesetzt. Demnach sollen alle drei Aspekte in der Behandlung insbesondere von Suchterkrankungen Anwendung finden.

Im Jahr 2018 wurde unsere Organisation angefragt, einen Artikel für das Fachbuch «Soziale Arbeit und Sucht», insbesondere für das Arbeitsfeld «Tagesstruktur und soziale Integration», zu verfassen. Dabei sollten wir vor allem den Fokus darauf legen, was genau «das Soziale» an unserer Arbeit ist. Wir glaubten, etwas aus dem «Nähkästchen plaudern» zu können und dabei die Arbeit im Treffpunkt Azzurro und die eine oder andere Fallgeschichte beschreiben zu können. Nachdem wir aber die Leitfragen des Redaktionsteams für den Artikel studiert hatten, begannen wir zu ahnen, dass es um etwas anderes geht. Es wurde in uns ein Feuer geweckt, Teil einer Professionalisierung und Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit im Bereich Suchthilfe zu sein.

Die Ressourcen in diesem Arbeitsfeld sind knapp, was sich in eng begrenzten Stellenprozenten, bescheidenen finanziellen Mitteln, ungünstigen Arbeitsbedingungen etc. widerspiegelt. Das Alltagsgeschäft und die Begleitung der Klientel stehen an oberster Stelle; die Auseinandersetzung mit methodischen Ansätzen und Grundlagen aus Forschung und Praxis, sowie der fachliche Austausch kommen dabei zu kurz.

Somit fehlen auch die Mittel, sich gegenüber anderen Professionen im Feld zu positionieren und sich nicht die «Butter vom Brot» nehmen zu lassen. Die Soziale Arbeit in der Suchthilfe kann etwas, was die anderen Berufsbilder nicht können und ist nicht wegzudenken. Auch wenn uns das klar ist, muss es aber gelingen, nach aussen darzustellen, was wir, warum und wie tun.

Das Buch hat einen Prozess angestossen und nicht nur bei uns das Feuer entfacht, sondern auch bei vielen Playern in der Sozialen Arbeit (Avenir Social, Fachverband Sucht, SAGES, Fachhochschule FHNW, Infodrog, andere Suchthilfe-Institutionen). Inzwischen ist ein ganzes Programm entstanden, das dazu dienen soll, in einen Austausch zu kommen, Methoden zu etablieren und schliesslich Empfehlungen für Fachpersonen, sowie ein Lehrbuch für angehende Sozialarbeitende herauszugeben.

So wurde aus der Idee des Redaktionsteams eine Vision, an der das Blaue Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg teilhaben und mitwirken kann.

Andrea Kaspar, Co-Leiterin Integration

 

Aus engagiert 1/21.
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