Ältere Männer trinken mehr Alkohol

Bereits vor der Pandemie landeten mehr über 65-jährige Männer wegen Alkoholvergiftungen auf den Notfällen als Teenager. Wer sich als chronischer Risikotrinker in Behandlung begibt, kann mit einer merklichen Schadensbegrenzung rechnen – auch zur Freude der Angehörigen, stellt der Bereichsleiter Beratung & Therapie des Blauen Kreuzes Bern-Solothurn-Freiburg, Mike Sigrist fest.

Gemäss der letzten schweizerischen Gesundheitsbefragung im Jahr 2017, trinken 34.4 % der Männer zwischen 65 und 74 Jahren täglich Alkohol. 6,8 % der 65-Jährigen pflegen einen chronisch risikoreichen Alkoholkonsum mit steigender Tendenz im zunehmenden Alter. Von risikoreichem Konsum spricht man bei Männern bei täglich mehr als vier Glas Bier à drei Deziliter oder resp. mehr als vier Deziliter Wein. Bereits vor der Covid-Pandemie nahm die genannte Konsumentengruppe das Gesundheitssystem mehr in Anspruch als jedes andere Alterssegment. Zu erwarten wäre demnach, dass sich die prekäre Situation sowohl für die Betroffenen wie auch ihren Angehörigen in der Pandemie noch verschärft hat. Um dies zu bestätigen,fehlen aber gemäss Sucht Schweiz solide Daten. Frühere Studien zum Konsum in Krisensituationen zeigen, dass es sowohl zu einem Rückgang in der Gesamtbevölkerung als auch zu Anstiegen in Teilgruppen kam. Zu erwarten wäre demnach also eine Zunahme des Alkoholkonsums bei Personen, mit bereits vorherigem problematischem Alkoholkonsum.

Die Fachstellen für Alkohol- und Suchtprobleme des Blauen Kreuzes Bern-Solothurn-Freiburg beobachten bei ihren über 65-jährigen Klienten und ihren Angehörigen verschiedene Phänomene. Ältere Risikokonsumierende sind grundsätzlich schwer erreichbar. Der Erstkontakt zu unseren Fachstellen suchen daher oft auch Angehörige, das Pflegepersonal oder benachbarte Personen, um sich über Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Eine wesentliche Zunahme vergleichbarer Anfragen könne während der Pandemie jedoch noch nicht festgestellt werden. «Es ist leider anzunehmen, dass chronisch risikotrinkende Senioren und Seniorinnen nun noch verstärkt zu Hause bleiben und sich die Isolation als zusätzlicher Risikofaktor auswirkt», sagt Mike Sigrist, Bereichsleiter Beratung & Therapie des Blauen Kreuzes. Als gute Nachricht in der Krise hält Sigrist fest, dass auf allen Fachstellen des Kantons Bern die bereits vor der Krise gemeldeten Personen der genannten Risikogruppe (ca. 9 %) ihre Behandlung meist stabil weiterführen oder erfolgreich abschliessen konnten. «Dies ist nicht selbstverständlich, weil chronifiziertes Risikoverhalten meist eine länger dauernde Begleitungsphase mit dem Ziel der Schadensbegrenzung bedingt», betont Mike Sigrist.


Für Rückfragen
Jürg von Allmen
Fachstellenleiter Biel
j.vonallmen(at)blaueskreuzbern(dot)ch
032 322 61 60
 

Weitere Informationen
Schweizer Suchtpanorama / Sucht Schweiz
https://www.suchtschweiz.ch/fileadmin/user_upload/DocUpload/2021/2021SchweizerSuchtPanorama.pdf

Schweizerische Gesundheitsbefragung 2017
http://www.portal-stat.admin.ch/sgb2017/docs/su-d-14.02-ESS-TALKO15_CH.xlsx

Schweizerisches Gesundheitsobservatorium
https://www.obsan.admin.ch/de/indikatoren/MonAM/chronisch-risikoreicher-alkoholkonsum-alter-15

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